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OpenNebula: Die Open-Source-Alternative für souveränes Cloud-Management

25. Mai 202512 Min. Lesezeit
OpenNebula Cloud-Infrastruktur – Moderne Serverlandschaft mit Netzwerkverbindungen

Cloud-Infrastruktur muss nicht zwangsläufig aus den Rechenzentren amerikanischer Hyperscaler kommen. Mit OpenNebula existiert eine europäische Open-Source-Plattform, die Unternehmen volle Kontrolle über ihre virtuelle Infrastruktur gibt – ohne Vendor Lock-in, ohne Lizenzkosten-Explosionen und mit echtem Fokus auf digitale Souveränität. In diesem Artikel beleuchten wir die Plattform umfassend: Architektur, Funktionsumfang, Einsatzszenarien und den konkreten Vergleich mit Alternativen wie Proxmox VE und VMware vSphere.

Was ist OpenNebula?

OpenNebula ist eine Open-Source-Plattform für Cloud- und Edge-Computing, die seit 2008 entwickelt wird. Sie ermöglicht die einheitliche Verwaltung von Rechen-, Speicher- und Netzwerkressourcen über private, hybride und Multi-Cloud-Umgebungen hinweg – alles über eine zentrale Steuerungsebene.

Die Plattform wird von der spanischen Firma OpenNebula Systems entwickelt und steht unter der Apache-2.0-Lizenz. Das bedeutet: Der vollständige Quellcode der Community Edition ist frei verfügbar, modifizierbar und kann ohne Einschränkungen eingesetzt werden. Für produktionskritische Umgebungen bietet der Hersteller eine Enterprise Edition mit erweitertem Support, gehärteten Builds und exklusiven Maintenance-Releases.

Im WällerIT-Stack ist OpenNebula Teil unserer Infrastruktur-Schicht (Layer 1) – neben Proxmox VE, XCP-ng und CloudStack. Je nach Anforderungsprofil des Kunden empfehlen wir die passende Lösung. OpenNebula eignet sich besonders für Unternehmen, die über die reine Virtualisierung hinaus eine vollwertige Cloud-Orchestrierung benötigen.

Architektur im Überblick

OpenNebula folgt einem zweischichtigen Architekturmodell, das sich sauber in Control Plane und Data Plane trennt:

Cloud Management Cluster (Frontend)

Das Frontend bildet die zentrale Steuerungsebene. Hier laufen die Kernprozesse:

  • oned – der zentrale Daemon für Ressourcenverwaltung und XML-RPC-API
  • Scheduler – plant die Platzierung virtueller Maschinen auf passenden Hosts
  • onemonitord – sammelt Performance-Metriken und Statusdaten
  • OneFlow – orchestriert Multi-VM-Services mit Abhängigkeiten und Auto-Scaling
  • OneGate – ermöglicht die Kommunikation zwischen Gast-VMs und dem Core

Cloud Infrastructure (Workload Clusters)

Die Infrastruktur-Ebene besteht aus Hypervisor-Nodes und Storage-Systemen:

  • Edge Clusters – automatisierte, On-Demand-Konfigurationen für Hybrid-Cloud
  • Customized Clusters – On-Premises-Deployments mit individueller Hardware
  • Multi-Hypervisor-Unterstützung auf einer Plattform
  • Flexible Storage-Backends (Ceph, NFS, iSCSI, lokale Festplatten)
  • Netzwerk-Optionen: VXLAN, Open vSwitch, 802.1Q VLAN, Bridge

Die Kommunikation zwischen Frontend und Nodes erfolgt über SSH – ein eleganter Ansatz, der keine zusätzlichen Agenten auf den Hosts erfordert. Die Cloud-State wird in einer persistenten SQL-Datenbank (MySQL/MariaDB oder SQLite) gehalten.

Multi-Hypervisor: Eine Plattform, viele Technologien

Eines der stärksten Alleinstellungsmerkmale von OpenNebula ist die echte Multi-Hypervisor-Unterstützung. Anders als viele Wettbewerber kann eine einzelne OpenNebula-Installation verschiedene Virtualisierungstechnologien gleichzeitig orchestrieren:

KVM

Der Standard-Hypervisor für Data-Center-Virtualisierung, Server-Konsolidierung und hochverfügbare Workloads.

LXC / LXD

System-Container für maximale Performance bei hoher Dichte – nahe an Bare-Metal-Geschwindigkeit.

AWS Firecracker

Leichtgewichtige MicroVMs für sichere Multi-Tenant-Szenarien, Serverless und Function-as-a-Service.

VMware vCenter

Integration als Cloud-Management-Layer über bestehende vSphere-Infrastrukturen – ideal für schrittweise Migrationen.

Diese Flexibilität ist besonders wertvoll für Unternehmen, die heterogene Umgebungen betreiben oder schrittweise von VMware migrieren möchten. OpenNebula kann als übergeordnete Management-Schicht auch bestehende vCenter-Installationen einbinden – ein pragmatischer Weg, der den Umstieg ohne "Big Bang" ermöglicht.

VMware-Migration: Raus aus dem Vendor Lock-in

Die Übernahme von VMware durch Broadcom hat bei vielen Unternehmen zu drastischen Preiserhöhungen und einem Wechsel zu reinen Abo-Modellen geführt. OpenNebula positioniert sich gezielt als Migrationspfad und hat dafür spezialisierte Werkzeuge entwickelt:

  • OneSwap:Automatisiert die VM-Migration von VMware zu KVM – inklusive Festplatten-Konvertierung und Netzwerk-Mapping.
  • DRS-ähnliches Scheduling:Dynamic Resource Scheduling repliziert die bekannte vSphere-Funktionalität: automatische Verteilung von Workloads basierend auf Ressourcenauslastung.
  • Cluster-zu-Cluster-Mobilität:Workloads können nahtlos zwischen verschiedenen Cluster-Typen verschoben werden – von VMware zu KVM oder zwischen Standorten.
  • vCenter-Integration:Bestehende vSphere-Umgebungen können direkt eingebunden werden, sodass Unternehmen parallel beide Welten betreiben und schrittweise migrieren können.

Unternehmen wie Adidas Runtastic haben den Wechsel von VMware zu OpenNebula bereits vollzogen – nach eingehender Evaluierung von Alternativen wie oVirt, Proxmox und OpenStack. Das zeigt: OpenNebula ist nicht nur ein theoretisches Konzept, sondern bewährt sich im Enterprise-Einsatz.

Vergleich: OpenNebula vs. Proxmox vs. VMware

Die Wahl der richtigen Virtualisierungsplattform hängt von Größe, Anforderungen und langfristiger Strategie ab. Hier ein differenzierter Vergleich:

KriteriumOpenNebulaProxmox VEVMware vSphere
LizenzApache 2.0 (Open Source)AGPL v3 (Open Source)Proprietär (Abo-Modell)
HypervisorenKVM, LXC, Firecracker, vCenterKVM, LXCESXi (proprietär)
SkalierungTausende Nodes, Multi-SiteCluster-Verbund, mittlere SkalierungSehr große Cluster (vSAN)
Hybrid-CloudAWS, Azure, GCP, Edge nativNur mit Zusatz-ToolsVMware Cloud (kostenpflichtig)
Multi-TenancyVollständig (VDC, Gruppen, ACLs)EingeschränktJa (NSX-T erforderlich)
LernkurveMittelNiedrigMittel bis hoch
Ideal fürPrivate/Hybrid Cloud, Telco, EdgeKMU, Home-LabsEnterprise (Legacy)
Kosten (3 Jahre, 20 Nodes)Ab ~11.250 € (EE)Ab ~7.200 € (Subscription)Ab ~60.000 €+

Unser Fazit bei WällerIT: Proxmox VE ist die erste Wahl für mittelständische Unternehmen mit überschaubarer Infrastruktur – einfach, zuverlässig und kosteneffizient. Sobald jedoch Multi-Site-Management, Hybrid-Cloud-Integration oder echte Multi-Tenancy gefordert sind, spielt OpenNebula seine Stärken aus. VMware bleibt nur noch dort relevant, wo bestehende Verträge und Abhängigkeiten den Umstieg (noch) verhindern.

FireEdge Sunstone: Die moderne Weboberfläche

Seit Version 6.10 "Bubble" bietet OpenNebula eine vollständig überarbeitete Weboberfläche namens FireEdge Sunstone. Sie ersetzt das ältere Ruby-basierte Interface durch einen modernen Tech-Stack:

  • Gebaut mit React und Node.js – schnell, responsiv und anpassbar
  • WebSocket-basierte Echtzeit-Updates für Ressourcen-Monitoring
  • Integrierter Guacamole-Client für VNC-, RDP- und SSH-Konsolen direkt im Browser
  • Stepper-Dialoge führen durch komplexe Operationen (z.B. VM-Template-Erstellung)
  • Vollständige Management-Oberfläche für VMs, VM Groups, Backup Jobs, ACLs, Cluster, OneFlow, Marketplaces und Virtual Router

KI-Workloads und Edge Computing

OpenNebula hat frühzeitig auf zwei Megatrends reagiert: künstliche Intelligenz und Edge Computing.

AI Factories: Ab Version 7.0 "Phoenix" unterstützt die Plattform NVIDIA GPU-Passthrough, Spectrum-X-Networking und die Bereitstellung von KI-Modellen auf GPU-Clustern. Unternehmen können so ihre eigenen "AI Factories" betreiben – vollständig On-Premises, mit voller Kontrolle über Trainingsdaten und Modelle.

OneAIOps bringt prädiktive Wartung und Anomalie-Erkennung in den Cloud-Betrieb: Die Plattform erkennt potenzielle Engpässe, bevor sie zu Ausfällen führen.

Edge und ONEedge: Über Terraform- und Ansible-Integration automatisiert OpenNebula die Bereitstellung von Edge-Standorten. Workloads können nahtlos zwischen zentralem Rechenzentrum und Edge-Knoten verschoben werden – wichtig für IoT, 5G-Anwendungen und latenzempfindliche Dienste.

Digitale Souveränität: Warum OpenNebula nach Europa passt

Für WällerIT ist digitale Souveränität kein Marketing-Buzzword, sondern Kern unserer Philosophie. OpenNebula passt perfekt in dieses Bild:

EU-Jurisdiktion

Durch Partnerschaften mit europäischen Anbietern wie OVHcloud bleiben alle Daten unter EU-Recht – geschützt vor dem US CLOUD Act.

IPCEI-CIS Beteiligung

OpenNebula ist Teil des €3-Milliarden-Projekts für souveräne europäische Cloud-Infrastruktur.

Gaia-X konform

Die Plattform unterstützt die Prinzipien der europäischen Dateninfrastruktur – Interoperabilität, Transparenz und Portabilität.

DSGVO by Design

Strikte Datenresidenz, vollständige Kontrolle über Metadaten und Telemetrie – keine versteckten Datenflüsse an Dritte.

Gerade in Kombination mit deutscher Hardware – wie wir sie bei WällerIT einsetzen – entsteht ein Stack, der echte Datensouveränität gewährleistet. Keine Abhängigkeit von US-Hyperscalern, keine rechtlichen Grauzonen, volle Kontrolle.

Praxisbeispiele: Wer setzt OpenNebula ein?

OpenNebula wird nicht nur von Start-ups und Tech-Enthusiasten genutzt. Namhafte Organisationen vertrauen auf die Plattform:

CEWE:Europas führender Fotoservice betreibt über 400 virtuelle Maschinen auf OpenNebula.
Trivago:Der deutsche Hotel-Metasuchmaschinen-Betreiber nutzt OpenNebula für einen signifikanten Teil seiner Infrastruktur.
Teledata:Der deutsche ISP verwaltet damit die Virtualisierungsinfrastruktur seiner Kunden.
Deutsche Telekom, Telefónica, Orange:Telco-Riesen setzen OpenNebula für carrier-grade Edge Clouds, 5G und vRAN ein.
European Space Agency (ESA):Für High-Performance-Computing und datenintensive Forschungsprojekte.

Lizenzmodell und Kosten

OpenNebula bietet ein duales Modell:

Community Edition (CE)

Vollständig kostenlos unter Apache 2.0

  • Alle Core-Features enthalten
  • Ideal für Entwicklung und Test
  • Community-basierter Support
  • Keine Maintenance-Releases

Enterprise Edition (EE)

Ab 3.750 $/Jahr (Elemental-Tier)

  • Gehärtete, produktionsreife Builds
  • Regelmäßige Maintenance-Releases
  • SLA-basierter Support (9×5 oder 24×7)
  • Enterprise-Treiber (Veeam, NetApp, u.a.)

Im Vergleich zu VMware, wo allein die Lizenzkosten für 20 Hosts schnell bei 60.000 € und mehr liegen, bietet OpenNebula Enterprise bei vergleichbarem Funktionsumfang eine Kostenersparnis von 70–80 %.

Für wen eignet sich OpenNebula?

OpenNebula ist keine "Einheitslösung" – und das ist gut so. Die Plattform spielt ihre Stärken in bestimmten Szenarien besonders aus:

  • Mittelständische Unternehmen, die eine Private Cloud mit Multi-Tenancy benötigen
  • Organisationen mit Multi-Site-Anforderungen (mehrere Standorte, Edge-Knoten)
  • Unternehmen in der VMware-Migration, die einen schrittweisen Übergang bevorzugen
  • Telekommunikationsanbieter für 5G und Edge-Infrastruktur
  • Forschungseinrichtungen mit HPC-Anforderungen
  • Unternehmen mit strengen Compliance-Anforderungen (DSGVO, NIS2, DORA)

Fazit: OpenNebula im WällerIT-Stack

OpenNebula ist eine der ausgereiftesten Open-Source-Cloud-Plattformen auf dem Markt. Sie vereint Enterprise-Funktionalität mit der Freiheit von Open Source und dem Fokus auf digitale Souveränität – Werte, die exakt zu unserer Philosophie bei WällerIT passen.

Ob als Proxmox-Ergänzung für komplexere Szenarien, als VMware-Ablösung oder als Fundament für eine souveräne Hybrid-Cloud: OpenNebula gehört in das Werkzeug-Arsenal jedes IT-Entscheiders, der Unabhängigkeit ernst nimmt.

Sie möchten wissen, welche Lösung für Ihre Infrastruktur die richtige ist? Sprechen Sie uns an – wir beraten Sie herstellerunabhängig und mit 18 Jahren Praxiserfahrung.